Wer auf den unteren Kurzwellenbändern (160 m, 80 m, 40 m) empfangen will, kennt das Problem: Der städtische oder vorstädtische Störnebel aus Schaltnetzteilen, LED-Lampen, PLC-Adaptern und Ladegeräten macht den Empfang schwacher Signale oft unmöglich. Eine überraschend einfache Lösung liegt – im wahrsten Sinne des Wortes – direkt vor unseren Füßen: die Loop on Ground, kurz LoG.

Was ist eine Loop on Ground?
Die LoG ist eine reine Empfangsantenne, die von Matt Roberts, KK5JY, ausführlich beschrieben und populär gemacht wurde. Sie besteht aus nichts weiter als einer geschlossenen Drahtschleife aus isoliertem Draht, die flach auf dem Erdboden ausgelegt wird – typischerweise als Quadrat mit etwa 4,6 m Kantenlänge (im Original 15 Fuß), also rund 18,3 m Gesamtdrahtlänge. Gespeist wird die Schleife an einer Ecke über einen Übertrager (Balun bzw. Impedanztransformator, typisch 9:1) und ein gewöhnliches 50-Ohm-Koaxialkabel, z. B. RG-58 oder RG-213.
Der Name ist eine Anlehnung an die „Beverage on Ground“ (BOG) – die LoG gilt als kompakter, platzsparender Verwandter der klassischen Beverage-Antenne, deren Prinzip Harold Beverage bereits in den 1920er-Jahren erforschte.
Das Funktionsprinzip: Verlust als Vorteil
Auf den ersten Blick widerspricht die LoG allem, was man über Antennenbau gelernt hat. Ein Draht direkt auf dem Boden? Die Nähe zum Erdreich macht die Antenne tatsächlich extrem verlustbehaftet – zum Senden ist sie praktisch unbrauchbar, da ein Großteil der Energie direkt im Boden verheizt würde.
Für den Empfang gilt jedoch eine andere Rechnung: Entscheidend ist nicht die absolute Signalstärke, sondern das Signal-Rausch-Verhältnis (SNR). Und genau hier spielt die LoG ihre Stärken aus:
- Magnetische Kopplung statt elektrischer: Die geschlossene Schleife reagiert primär auf die magnetische Komponente des elektromagnetischen Feldes. Lokale Störquellen (Netzteile, Computer, Fernseher) erzeugen vor allem starke elektrische Nahfelder – auf die spricht die LoG kaum an.
- Bodennähe als Störschutz: Durch die Lage direkt am Boden „sieht“ die Antenne weniger vom lokalen elektrischen Störnebel, der sich in einigen Metern Höhe deutlich stärker bemerkbar macht.
- Galvanische Trennung: Der Speiseübertrager isoliert die Schleife galvanisch von der Koaxleitung. Die Antenne bleibt komplett „schwebend“ (nicht geerdet) – das ist entscheidend, um Gleichtaktströme und damit eingeschleppte Störungen vom Kabelschirm fernzuhalten. Weder die Schleife noch der Kabelschirm am Speisepunkt sollten geerdet werden, da dies die Symmetrie der Antenne stört.
Richtcharakteristik und Empfangsverhalten
Das Strahlungsdiagramm der LoG zeigt Empfang sowohl unter hohen als auch unter niedrigen Erhebungswinkeln. Das macht sie besonders auf den langen Wellenlängen nützlich, wo gleichzeitig innereuropäische Signale (steile Winkel, NVIS) und DX-Signale (flache Winkel) empfangen werden können. Die Antenne besitzt zudem ausgeprägte Nullstellen, die sich zur Ausblendung von Störquellen nutzen lassen, wenn die Loop entsprechend ausgerichtet wird.
Wichtig für die Erwartungshaltung: Die Signalpegel sind deutlich niedriger als bei einem Dipol oder einer Vertikalantenne. Das Rauschen sinkt aber überproportional stark – Berichte von S7-Störpegeln auf der Vertikal gegenüber S2 oder weniger auf der LoG sind keine Seltenheit. Bei Bedarf kann ein rauscharmer Vorverstärker nachhelfen; an modernen empfindlichen Empfängern und SDRs reicht das Signal oft auch ohne.
Dimensionierung und Frequenzbereich
Die klassische Auslegung von KK5JY mit ca. 18,3 m Drahtlänge (Quadrat mit 4,6 m Kantenlänge) arbeitet am besten im Bereich von etwa 2 bis 8 MHz – ideal also für 160 m, 80 m und 40 m. Der Speisepunktwiderstand liegt dabei in der Größenordnung von 400 Ohm. Für ein 50-Ohm-Koaxialkabel ergibt sich daraus rechnerisch ein Impedanzverhältnis von 8:1 (400 Ω : 50 Ω). In der Praxis hat sich der klassische 9:1-Übertrager bewährt, der 50 Ω auf 450 Ω transformiert – nah genug am tatsächlichen Speisepunktwiderstand, zumal dieser je nach Bodenbeschaffenheit und Frequenz ohnehin schwankt. Das Impedanzverhältnis 9:1 entspricht einem Windungsverhältnis von 1:3 (Koaxseite : Schleifenseite), da die Impedanz mit dem Quadrat des Windungsverhältnisses skaliert.
Die Kantenlänge ist dabei nicht kritisch. Modellrechnungen von KK5JY mit Kantenlängen von 1,5 m bis 18,3 m (5 bis 60 Fuß) zeigen als wesentlichen Kompromiss: Größere Schleifen liefern mehr Signal auf den langen Wellen, kleinere Schleifen behalten auf den kürzeren Wellenlängen ein saubereres Richtdiagramm. Für den Mittelwellen- und Langwellenempfang haben Experimentatoren die Schleife erfolgreich auf ca. 30,5 m Drahtlänge (100 Fuß, also etwa 7,6 m Kantenlänge) vergrößert. Grundsätzlich gilt: Je länger die Wellenlänge, desto besser passt das Konzept – die LoG ist eine Antenne für die unteren Bänder.
Auch die Form ist unkritisch: Quadrat, Kreis oder Oval funktionieren; das Quadrat mit Eckspeisung ist lediglich die am besten dokumentierte Variante.
Praxiserfahrungen
Die Berichte aus der Community sind bemerkenswert einheitlich:
- KK5JY selbst nutzt die LoG als einzige Empfangsantenne für 160 m und 80 m im Contestbetrieb und konnte im Vergleichstest auf 40 m mehrere Stationen einwandfrei aufnehmen, die ein nahegelegener OM an seiner ca. **10 m** hohen Vertikalantenne (33 Fuß) gar nicht hörte.
- WA1LOU verglich die LoG auf dem Mittelwellenband systematisch mit einem 80-m-Dipol, einer Vertikal und einer Diskone – die LoG lag im Mittel um 8,5 dBµ vor dem Dipol, in der Spitze um 22 dBµ.
- Zahlreiche Nachbauten in stark gestörten städtischen Umgebungen (Eigentumswohnungen, Vorstadtlagen) bestätigen den drastischen Rückgang des Störpegels bei weiterhin gut lesbaren Nutzsignalen.
Ein realistischer Hinweis aus der Praxis: Die Bodenleitfähigkeit spielt eine Rolle. Auf trockenem, schlecht leitendem Untergrund kann die Flachwinkel-Charakteristik leiden, sodass entfernte DX-Signale schwächer ausfallen als an einer guten Vertikal. Die LoG ersetzt keine Sendeantenne – sie ergänzt sie.
Aufbau in Kürze
Material:
- ca. 18–20 m isolierter Draht (Querschnitt unkritisch, z. B. 1,5 mm² Installationsdraht oder Lautsprecherlitze)
- 9:1-Übertrager für 50 Ω → 450 Ω, Windungsverhältnis 1:3. Selbstbau z. B. auf einem Ringkern FT-114-43 mit 3 Windungen auf der Koaxseite und 9 Windungen auf der Schleifenseite, oder auf einem Binokularkern (z. B. BN-73-202) mit 2 : 6 Windungen Kupferlackdraht.
- 50-Ohm-Koaxialkabel (RG-58, RG-213 oder Aircell), Länge nach Bedarf – gern 30 m oder mehr Abstand zum Haus, um den Störquellen zu entkommen
- Rasenanker/Erdnägel zum Fixieren des Drahtes
- kleines wetterfestes Gehäuse für den Übertrager (flach genug für den Rasenmäher!)
Aufbau:
Draht als Quadrat mit ca. 4,6 m Kantenlänge auslegen, mit Erdankern fixieren, beide Drahtenden an einer Ecke an die hochohmige Wicklung (450 Ω) des Übertragers anschließen, das 50-Ohm-Koax an die niederohmige Wicklung – fertig. Der Draht verschwindet nach wenigen Wochen förmlich im Rasen und ist praktisch unsichtbar. Wichtig: Schleife und Speisepunkt nicht erden.
Fazit
Die Loop on Ground ist ein Paradebeispiel dafür, dass gute Empfangsantennen nicht groß, hoch oder teuer sein müssen. Für Kosten von unter 30 Euro und einen Nachmittag Arbeit erhält man eine unsichtbare, sturmsichere und genehmigungsfreie Empfangsantenne, die auf den unteren Bändern in gestörter Umgebung oft mehr hörbar macht als die große Sendeantenne auf dem Dach. Wer mit S7-Dauerrauschen auf 80 m kämpft, sollte diesen Versuch wagen – schlimmstenfalls hat man eine Rolle Draht im Garten liegen.
Quellen
- Matt Roberts (KK5JY): *The Loop on Ground Antenna – the „LoG“* – Originalbeschreibung mit EZNEC-Modellen, Messwerten und Praxistests: http://www.kk5jy.net/LoG/
- TAPR / Stana Horzepa (WA1LOU): *Loop on Ground (LoG) Antenna* – Aufbaubericht und systematischer Empfangsvergleich auf Mittelwelle: https://tapr.org/loop-on-ground-log-antenna/
- Green Valley Amateur Radio Club: *On the Ground Loop Antenna* – Nachbau mit 25-Fuß-Kantenlänge (ca. 7,6 m) und Impedanzmessungen: https://www.gvarc.us/on-the-ground-loop-antenna.html
- The SWLing Post: *Tom builds a portable Loop-On-Ground antenna* – Portabler Aufbau für den BC-/SWL-Empfang, Hinweise zur galvanischen Trennung: https://swling.com/blog/2020/12/tom-builds-a-portable-loop-on-ground-antenna/
- AmateurRadio.com: *Loop on Ground (LoG) Receive Antenna* – Funktionsprinzip (magnetische Kopplung, Störunterdrückung) und Aufbaudetails zum Übertrager: https://www.amateurradio.com/loop-on-ground-log-receive-antenna/
- KG3V: *Loop-on-Ground, the simplest Receive-Antenna you will ever Build, and it Works* – Erfahrungsbericht 160 m/80 m: https://kg3v.com/2020/01/04/loop-on-ground-the-simplest-receive-antenna-you-will-ever-build-and-it-works/
- AA0O Radio Blog: *Loop on Ground RX antenna* – Nachbau mit Detailfotos des Übertragers und Praxiseindrücken: https://aa0o.radio/2023/02/04/loop-on-ground-rx-antenna/
- Frugal Radio: *My Loop on Ground HAM antenna worked!* – Schnellaufbau mit SDR (AirSpy HF+) in städtischer Umgebung: https://frugalradio.com/my-loop-on-ground-ham-antenna-worked/
Umrechnungen: 15 ft ≈ 4,6 m · 60 ft ≈ 18,3 m · 100 ft ≈ 30,5 m · 33 ft ≈ 10,1 m · 25 ft ≈ 7,6 m · 5 ft ≈ 1,5 m