Im Umfeld der Amateurfunk-Logbuchprogramme ist mit OpsLog ein Projekt aufgetaucht, das sich weniger als reines Logbuch versteht, sondern als vollständige Bedienzentrale für die Station. Entwickelt wird die Software von F4BPO; der Quellcode ist offen auf GitHub einsehbar. Dieser Beitrag stellt das Programm sachlich vor und geht anschließend ausführlicher auf die CAT-Steuerung ein – dem Punkt, an dem sich OpsLog von vielen anderen Loggern unterscheidet.

Überblick
OpsLog ist ein Logger für Windows mit einer Eingabezeile im Stil von Log4OM: Rufzeichen, RST (gesendet/empfangen), Name, QTH, Locator, Band, Betriebsart, TX-/RX-Frequenz (Split), Start- und Endzeit sowie Kommentarfeld. Die Flagge des gearbeiteten Landes wird groß neben den RST-Feldern eingeblendet.
Technisch setzt das Projekt auf Wails v2 mit einem Go-Backend und einem Frontend aus React/TypeScript. Bemerkenswert ist der Ansatz in reinem Go ohne CGO: Die Konfiguration liegt in einer lokalen SQLite-Datei, das Logbuch wahlweise ebenfalls in SQLite oder – für den Mehrbenutzerbetrieb – in einer gemeinsam genutzten MySQL-Datenbank. Mehrere Operatoren können so an einem gemeinsamen Log arbeiten.

Zum Funktionsumfang gehören unter anderem:
- Rufzeichenabfrage über QRZ.com und HamQTH mit automatischem Ausfüllen von Name, QTH und Locator sowie Foto
- Offline-DXCC-Auflösung aus cty.dat inklusive Sonderfällen wie /MM, /AM, /B und Rufzeichengebieten, ergänzt um ClubLog-DXpeditions-Überschreibungen
- ADIF-3.1.7-konformer Import und Export mit vollständigem Feldwörterbuch
- DX-Cluster mit mehreren Servern, Filter-Seitenleiste, Band-Map im Panadapter-Stil und Spot-Alarmen (Regeln auf Rufzeichen, Land, Band, Betriebsart oder Spotter, mit Ton-, Bild- und E-Mail-Benachrichtigung)
- Karten mit Großkreisdarstellung, Kurz-/Langpfad-Entfernung und -Azimut sowie Rotor-Kompass für PstRotator, 4O3A Rotator Genius oder microHAM ARCO
- Awards-Engine (DXCC, WAS, WAZ, WAC, WPX, IOTA, POTA, SOTA, WWFF, DDFM u. a.) mit Anbindung an LoTW, ClubLog, QRZ.com und eQSL
- Contest-Logging mit automatischer Vergabe der laufenden Nummern und Dupe-Erkennung
- QSL-Karten-Designer, der aus wenigen Fotos Vorschläge für eQSL-Karten erzeugt
- Statistik-Dashboard mit Diagrammen nach Betriebsart, Band und Zeitverlauf
Die Oberfläche ist vollständig themefähig (vier Themes plus Auto-Modus, der der Systemeinstellung folgt) und zweisprachig auf Englisch und Französisch ausgelegt. Zur Sicherheit lassen sich gespeicherte Passwörter optional per AES-GCM und PBKDF2 verschlüsseln.
CAT-Steuerung: vier native Backends
Der eigentliche Schwerpunkt von OpsLog liegt in der Anbindung an das Funkgerät. Die Software bringt vier native CAT-Backends mit, die jeweils über automatischen Wiederverbindungsaufbau und einen nicht blockierenden Verbindungsaufbau verfügen – ein ausgeschaltetes Funkgerät friert die Anwendung also nicht ein:
- OmniRig (Rig 1/2, umschaltbar im laufenden Betrieb) für beliebige von OmniRig unterstützte Geräte
- FlexRadio (SmartSDR) über die TCP-API des Geräts
- Icom CI-V nativ, über die USB-Schnittstelle oder über das Internet
- TCI (WebSocket) für SunSDR/ExpertSDR2 und andere TCI-kompatible Server
Die Betriebsart wird direkt vom Funkgerät übernommen; die digitale Untervariante (etwa FT4 gegenüber FT8) wird aus der Frequenz abgeleitet. Für FlexRadio lassen sich zusätzlich bandbezogene RX-/TX-Antennen hinterlegen, die beim Bandwechsel automatisch geschaltet werden.
FlexRadio: SmartSDR-artige Steuerung direkt im Logger
Sobald als CAT-Backend ein FlexRadio aktiv ist, blendet OpsLog einen eigenen Steuerungs-Tab im Stil von SmartSDR ein. Die Anbindung erfolgt über die TCP-API des Geräts mit UDP-Discovery und liefert die Slice-Parameter (Frequenz, Betriebsart, Split) in Echtzeit.
Auf der Sendeseite stehen RF-Leistung, Tune-Leistung, TUNE, MOX, der Sprachprozessor (NOR/DX/DX+), VOX mit Pegel und Verzögerung, der Monitor mit Pegel sowie das Mikrofon-Gain zur Verfügung.
Auf der Empfangsseite (aktive Slice) bietet der Tab die Wahl der RX-/TX-Antenne, einen DAX-Schalter (TX-Audio über DAX, etwa für WSJT-X), AGC-Modus und -Schwelle, Audiopegel sowie die Störunterdrückung NB/WNB/NR/ANF. Auf SmartSDR-v4-Geräten der Serien 8000 und Aurora kommen automatisch die zusätzlichen DSP-Werkzeuge NRL, NRS und NRF hinzu, dazu RNN (KI-gestützte Rauschunterdrückung) und ANFT (FFT-Auto-Notch) – jeweils nur dann, wenn das Gerät sie unterstützt. RIT und XIT lassen sich per Mausrad oder Plus/Minus abstimmen.
Ergänzt wird das Ganze durch die Steuerung des Antennentuners (Tune, Bypass, Speicher) und der Endstufe: Die Verstärkerkarte folgt dem konfigurierten Gerät, bei mehreren Endstufen (etwa zwei parallel betriebenen SPE) wählt ein Dropdown aus, welche angezeigt wird. Über den UDP-VITA-49-Stream zeigt OpsLog Live-Instrumente an – S-Meter in S-Stufen, Vorwärtsleistung in Watt, SWR, ALC, PA-Temperatur und Betriebsspannung sowie die Messwerte der Endstufe.
Icom: eine RS-BA1-artige Konsole – auch über das Internet

Ist als Backend ein Icom-Gerät ausgewählt (per USB oder Netzwerk), zeigt OpsLog eine vollwertige Konsole im Stil von RS-BA1. Sie umfasst eine Doppel-VFO-Anzeige (MAIN/SUB) mit großer tabellarischer Frequenzdarstellung, Betriebsarten-Badge, Band und RIT-/ΔTX-Ablage sowie eine Reihe von Betriebsart-Tasten (SSB, CW, RTTY, PSK, AM, FM).
Der integrierte Spektrum-Scope mit Wasserfall (Panadapter) lässt sich ein- und ausschalten, zwischen CTR- und FIX-Modus umschalten und per Doppelklick abstimmen; drei Tasten zentrieren den Scope auf die aktuelle Frequenz (±50 kHz) und schwenken nach links oder rechts. Dauerhaft sichtbar sind die Live-Instrumente S-Meter, Leistung in Watt und SWR.
Auf der Empfangsseite steht das komplette DSP-Repertoire bereit: AF-/RF-Gain, Squelch, AGC, Vorverstärker, Abschwächer, Filterwahl (FIL1/2/3), NB, NR und ANF – im CW-Betrieb zusätzlich das Audio-Peak-Filter (APF). Für die Durchlasskurve gibt es das Twin-PBT (innerer/äußerer Rand) sowie einen manuellen Notch mit Positionseinstellung.
Auf der Sendeseite finden sich RF-Leistung, MOX, TUNE und Split mit automatischer Ablage (+5 kHz in SSB, +1 kHz in CW). Nur in Sprach-Betriebsarten erscheinen Mikrofon-Gain, Sprachkompressor und VOX; Bedienelemente, die zur aktuellen Betriebsart nicht passen, werden automatisch ausgeblendet. Bandwahl per Ein-Tasten-Schaltern, ANT1/ANT2-Umschaltung sowie RIT und ΔTX als Clarifier runden die Konsole ab. Die Tasten Power ON/OFF sind bewusst manuell gehalten – die Anwendung weckt das Funkgerät beim Verbinden nicht von selbst auf.
Fernbetrieb ohne RS-BA1
Der aus Betreibersicht wohl interessanteste Punkt: OpsLog spricht das eingebaute Netzwerkprotokoll des IC-7610 direkt und ersetzt damit sowohl das Icom Remote Utility als auch RS-BA1. Es genügt, die IP-Adresse des Geräts, den Netzwerk-Benutzernamen (User1) samt Passwort sowie die CI-V-Adresse einzutragen – danach arbeitet die komplette Icom-Konsole über LAN oder Internet. Login und Token werden automatisch erneuert, der CI-V-Verkehr läuft durch einen Tunnel, und eine empfangsseitige Neuübertragung sorgt auch bei laufendem Panadapter-Stream für eine stabile Verbindung. Das Ein- und Ausschalten der Fernstation erfolgt manuell.
Zu beachten ist, dass die Audioübertragung ausdrücklich nicht Teil dieser Lösung ist. Für den Ton empfiehlt der Entwickler den Betrieb des Funkgeräts im USB-Modus in Kombination mit einer separaten Sprachverbindung, etwa über Mumble.
CW über den geräteeigenen Keyer
Passend zur tiefen CAT-Integration lässt sich auch die CW-Tastung über die jeweilige Geräte-Engine abwickeln. Neben dem klassischen WinKeyer (K1EL WK1/2/3 über COM-Port) unterstützt OpsLog den FlexRadio-CWX-Keyer über die SmartSDR-API (mit Type-Ahead und Backspace, ohne zusätzliche Hardware) sowie den Icom-eigenen Keyer über CI-V – dieser funktioniert auch über die Fernverbindung. Ein digitaler Voice-Keyer und eine QSO-Audioaufzeichnung sind ebenfalls an Bord.
Einordnung
OpsLog ist ein junges Projekt, das derzeit auf Windows läuft und sich sichtbar an Stationen mit FlexRadio- oder Icom-Geräten richtet. Die native Anbindung an SmartSDR und das direkte Sprechen des Icom-Netzwerkprotokolls – ohne den Umweg über RS-BA1 – sind die klaren Alleinstellungsmerkmale gegenüber vielen etablierten Loggern. Wer eine dieser Geräteplattformen betreibt und Logbuch, DX-Cluster, Endstufen- und Rotorsteuerung sowie Fernbetrieb aus einer Hand haben möchte, findet hier einen bemerkenswert vollständigen Ansatz.
Der Quellcode, eine ausführliche README (auch auf Französisch) und der Kontakt zur Community über Discord sind über das GitHub-Repository erreichbar. GregTroar/OpsLog: Logbook for Ham Radio Operators.